Empfehlungen anlässlich der Unruhen in französischen Vorstädten



Eine Sondersitzung zum Thema „Gewalt in französischen Vorstädten: Analyse des Phänomens und Konsequenzen für deutsche Städte“ wurde zeitnah nach den Ereignissen in Frankreich einberufen. Auf der Grundlage eines Berichts des stellvertretenden Bürgermeisters eines Pariser Vorortes (vermittelt im Rahmen der Kooperation mit dem Europäischen Forum für Urbane Sicherheit / EFUS) wurde diskutiert, inwieweit Hintergründe und Ursachen der Unruhen in Frankreich auch für deutsche Städte diagnostiziert werden können und welche stadtentwicklungs- und sicherheitspolitischen Konsequenzen man daraus ziehen müsse. Ziel war es, erste Empfehlungen zu formulieren und über die Informationswege der kommunalen Spitzenverbände zu publizieren. Von den Teilnehmern wurde für wichtig gehalten, insbesondere in den größeren städtischen Kommunen
- ein gesamtstädtisches Integrationskonzept zu implementieren, das von einer professionellen Leit- und Anlaufstelle koordiniert wird,
- die sozialraumbezogene, lokale Arbeit im Rahmen des Bund-Länder-Programms Soziale Stadt mit der kommunalen Kriminalprävention stärker zu vernetzen und dabei auch das Thema Sicherheit zu priorisieren,
- die Emanzipation von Migrantinnen sowie den Abbau tradierter "Geschlechterbilder / Rollenverständnisse" zu fördern,
- Wohn- und Wohneigentumsperspektiven im sozialen Umfeld für soziale Aufsteiger zu eröffnen, um ihrem Wegzug entgegenzuwirken,
- der Wirkungsweise der Medien, einschließlich des Internets, im Spannungsfeld zwischen Integrations- und Desintegrationsprozessen durch aktive und gewinnende Öffentlichkeitsarbeit zu entsprechen,
- durch eine Initiierung von Bildungsmaßnahmen für Jugendliche die interkulturelle Medienkompetenz zu verbessern, um dadurch auch das Interesse für deutschsprachige Medienangebote zu erhöhen. Zielgruppen sollten sowohl Jugendliche (mit Migrationshintergrund) der zweiten und dritten Generation als auch deutsche Jugendliche sein,
- über einen möglichst gleichen Stand bei der Sprachförderung von Kindern (ab 4 Jahre) Chancengleichheit im späteren Bildungswesen zu schaffen.