Campbell Collaboration
Die Campbell Collaboration (C2) wurde 1999 als internationales Netzwerk von Sozialwissenschaftlern gegründet, mit dem Ziel, durch systematische Untersuchungen und Metaanalysen den Nachweis für die Wirkung sozialer Interventionen zu erbringen und Best Practice-Projekte zu finden. Die inhaltlichen Schwerpunkte der Campbell Collaboration liegen in den Bereichen Erziehung, Kriminalität, Justizwesen und Wohlfahrtspflege. Darüber hinaus widmet sich die C2 verstärkt Methodenfragen. Durch die Arbeit der C2 sollen u.a. die Qualität von Forschung und Praxis verbessert, Doppelarbeit vermieden und Kooperation gefördert werden.
Die Campbell Collaboration arbeitet auch mit ihrer Schwesterorganisation, der Cochrane Collaboration zusammen, die sich dem Thema Gesundheit widmet. Für den Bereich der schulbezogenen Interventionen hat die C2 zwei Reviews veröffentlicht.
Wilson, Sandra Jo/Lipsey, Mark: School-based Social Information Processing Interventions and Aggressive Behavior: Part 1: Universal Programs, 2006, 42 Seiten.
Im Rahmen dieser Review der Campbell Collaboration wurden 73 Studien untersucht, in denen Projekte beschrieben wurden, die sich mit Social Information Processing (Sozialer Informationsverarbeitung) bei Schulkindern befasst haben. Ziel der Programme, von denen knapp 90% aus den USA, der Rest aus Italien, Kanada und Australien stammen, ist die Reduzierung von gewalttätigem Verhalten bei Schulkindern. Soziale Informationsverarbeitung meint im Rahmen dieser Untersuchung nicht Verhaltens- oder Kompetenztrainings, die lediglich das Sozialverhalten einüben, sondern Projekte, in denen die für ein funktionierendes Sozialverhalten notwendigen kognitiven Fähigkeiten vermittelt werden sollten. Zielgruppe waren hier Schulkinder ohne besondere Auffälligkeiten. Die Kriterien für die Aufnahme in die Review waren: - Die Projekte mussten die drei Kriterien erfüllen, durch die Soziale Informationsverarbeitung definiert wird: Training eines oder mehrerer der Prozesse, die die Informationsverarbeitung durchläuft, Fokus auf kognitive, nicht verhaltensorientierte Fähigkeiten, und die Nutzung strukturierter Aufgaben und Aktivitäten, die die Anwendung der kognitiven Fähigkeiten auf soziale Situationen fördern. - Die Projekte mussten sich an Kinder der ersten und zweiten Schulstufe, also vom Kindergarten bis zum 12. Schuljahr, richten und innerhalb der Schule während der Unterrichtsstunden durchgeführt werden. - Die Projekte mussten Effekte in mindestens einer der Variablen wie z.B. Gewaltformen an der Schule vorweisen können. - Eine Kontrollgruppe musste Bestandteil des Projektdesigns sein. Ergebnis der Review: Die Review hat nach Angabe der Autoren generell einen positiven Effekt der Projekte zur Sozialen Informationsverarbeitung feststellen können, der gewichtete Mittelwert der Effektgröße war mit .21 signifikant. Die Kinder und Jugendlichen aus den Projekten haben weniger aggressives und störendes Verhalten gezeigt wie diejenigen aus den Vergleichsgruppen ohne Projektteilnahme. Die positiven Effekte waren gleichmäßig und unabhängig von den benutzten Methoden und Prozeduren. Solche Projekte, die mehrmals pro Woche durchgeführt waren, waren effektiver als solche mit geringerer Frequenz. Projekte zu Forschungs- und Demonstrationszwecken und solche, bei denen keine Implementationsprobleme auftauchten, hatte die größten Effekte vorzuweisen. Die Review soll alle drei Jahre aktualisiert werden.
Wilson, Sandra Jo/Lipsey, Mark: School-based Social Information Processing Interventions and Aggressive Behavior: Part 2: Selected/Indicated Pull-out programs, 2006, 37 Seiten.
Im Rahmen dieser Review der Campbell Collaboration wurden 47 Studien untersucht, in denen Projekte beschrieben wurden, die sich mit Social Information Processing (Sozialer Informationsverarbeitung) bei Schulkindern befasst haben. Ziel der Programme, von denen knapp 90% aus den USA, der Rest aus Indien, Finnland, Israel, Kanada und Australien stammen, ist die Reduzierung von gewalttätigem Verhalten bei Schulkindern. Soziale Informationsverarbeitung meint im Rahmen dieser Untersuchung nicht Verhaltens- oder Kompetenztrainings, die lediglich das Sozialverhalten einüben, sondern Projekte, in denen die für ein funktionierendes Sozialverhalten notwendigen kognitiven Fähigkeiten vermittelt werden sollten. Im Gegensatz zur Studie der gleichen Autoren, die sich mit universellen Projekten befasst, war die Zielgruppe hier ausgesuchte Schulkinder mit besonderen Auffälligkeiten. Die Kriterien für die Aufnahme in die Review waren: - Die Projekte mussten die drei Kriterien erfüllen, durch die Soziale Informationsverarbeitung definiert wird: Training eines oder mehrerer der Prozesse, die die Informationsverarbeitung durchläuft, Fokus auf kognitive, nicht verhaltensorientierte Fähigkeiten, und die Nutzung strukturierter Aufgaben und Aktivitäten, die die Anwendung der kognitiven Fähigkeiten auf soziale Situationen fördern. - Die Projekte mussten sich an ausgesuchte Kinder der ersten und zweiten Schulstufe, also vom Kindergarten bis zum 12. Schuljahr, mit besonderen Auffälligkeiten, richten und innerhalb der Schule während der Unterrichtsstunden durchgeführt werden. - Die Projekte mussten Effekte in mindestens einer der Variablen wie z.B. Gewaltformen an der Schule vorweisen können. - Eine Kontrollgruppe musste Bestandteil des Projektdesigns sein. Ergebnis der Review: Die Review hat nach Angabe der Autoren generell einen positiven Effekt der Projekte zur Sozialen Informationsverarbeitung feststellen können, der gewichtete Mittelwert der Effektgröße war mit .26 signifikant. Die Kinder und Jugendlichen aus den Projekten haben weniger aggressives und störendes Verhalten gezeigt wie diejenigen aus den Vergleichsgruppen ohne Projektteilnahme. Die positiven Effekte waren in solchen Projekten größer, die weniger Abnutzungserscheinungen zwischen Pretest und Posttest zeigten. Studien mit Zufallsauswahl haben geringere Effekte als solche mit Nicht-Zufallsauswahl gezeigt. Insgesamt haben die Projekte mit ausgesuchten Schülern geringere Effekte gezeigt als vergleichbare Projekte mit allen Schülern, wobei aber bei gefährdeten Schülern aggressives Verhalten effektiver reduziert werden konnte. Unterschiedliche Fokusse z.B. auf Beherrschung von Wut oder das Lösen sozialer Probleme hatten keinen Einfluss auf den Effekt. Die Review soll alle drei Jahre aktualisiert werden. |
Newsletter-Anmeldung |