Literaturbox

Titel Häusliche Gewalt – Kostenstudie für Deutschland – Gewalt gegen Frauen in (ehemaligen) Partnerschaften
Autor/en Sacco, Sylvia
Publisher trediton Verlag
Erscheinungsjahr 2017
ISBN
Seiten 144
Magazin
Medien Typ Zeitschrift, Buch
Inhaltangabe

Häusliche Gewalt verursacht körperliche und seelische Verletzungen, die häufig lange andauern und die Lebensqualität der Betroffenen beeinträchtigen. Zusätzlich entstehen individuelle und gesellschaftliche Kosten, die größtenteils aus Steuergeldern finanziert werden. Diese Kostenübernahme resultiert aus den Fürsorgepflichten des Staates, der dem Schutz der Grund- und Menschenrechte verpflichtet ist. Sylvia Sacco lehrt als Professorin an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg im Studiengang Soziale Arbeit. Ihr Fachgebiet ist Management für Gesundheits- und Sozialorganisationen. Sie hat sich in einem begrenzten Zeitrahmen und mit beschränkten finanzieller Möglichkeiten der Aufgabe gestellt, die Folgekosten häuslicher Gewalt in Deutschland zu berechnen. Sie unterscheidet dabei verschiedene Kostenkategorien und beziffert schließlich das Kostenspektrum. Bei der Arbeit wurden immer wieder neue Kostenaspekte deutlich, die nicht alle einbezogen werden konnten. Den Kosten die zur Prävention und Bekämpfung von häuslicher Gewalt investiert werden, stehen Ausgaben und Verluste durch Traumatisierung, Arbeitsunfähigkeit bis hin zu Mortalität der Betroffenen gegenüber. Multikausale Kosten entstehen auch durch dysfunktionale Strukturen bei der Bewältigung häuslicher Gewalt. Drei Kostenbereiche werden unterschieden und führen zu folgenden Kosten:

- direkte tangible Kosten etwa bei Polizei, Justiz, Sozialer Arbeit oder im Gesundheitswesen: 1 043 800 Euro

- indirekt tangible Kosten etwa durch Arbeitslosigkeit, Haushaltsunterstützung, Produktivitätsverluste durch Krankheit/Tod oder Traumafolgekosten bei Kindern: 2 756 500 Euro

- intangible Kosten wie z. B. Verlust der Lebensqualität, denen kein direkter sondern ein fiktiver monetärer Wert zugeschrieben werden kann: 17 975 800 Euro.

Die Berechnung basiert auf verfügbaren Daten. Die Gesamtsumme der tangiblen Kosten, die für Deutschland ermittelt werden kann, beträgt rund 3,8 Milliarden Euro pro Jahr. Berechnet auf alle Personen im erwerbsfähigen Alter ergibt sich ein Wert von 74 Euro pro Person und Jahr. Bei einer Lebenserwartung von 80 Jahren sind pro Bürger mindestens 3720 Euro für die Folgen von Häuslicher Gewalt aufzubringen. Die Berechnungen erfolgen für die tangiblen Kosten mithilfe der Accounting- Methode (Multiplikation der Menge mit dem Preis), der Humakapital-Methode (Multiplikation der Menge an entgangener Produktivität mit dem Preis bzw. dem Wert) sowie für die intangiblen Kosten mit der DALY-Methode (es werden Werte für den Verlust an Jahren bei voller Gesundheit generiert). Es kann kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden. In einigen wenigen Bereichen mussten Schätzungen vorgenommen werden. Wenn Datenquellen nicht vorhanden waren, sind diese existenten Kosten nicht berücksichtigt worden. Bei Berechnungen und Schätzungen wurde bei mehreren Optionen die jeweils niedrigste Kostenvariante gewählt. Bei einer entsprechend besseren Datenlage zur Kostenberechnung und nach einer Erweiterung der Kostenkategorien ist davon auszugehen, dass die Kosten weit mehr betragen. Wer sich mit den einzelnen Berechnungen detailliert befassen möchte, kommt um die Lektüre der Kostenstudie nicht herum, eine nicht nur für Ökonomen interessante Aufgabe, die hiermit ausdrücklich empfohlen wird.

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