Literaturbox

Titel Handbuch sexualisierte Gewalt – Therapie, Prävention und Strafverfolgung
Autor/en Gysi, Jan, Rüegger, Peter
Publisher Hogrefe Verlag
Erscheinungsjahr 2018
ISBN 9783456856582
Seiten 722
Magazin
Medien Typ Zeitschrift, Buch
Inhaltangabe

„Wer immer sich in Zukunft mit sexualisierter Gewalt auseinandersetzt, wird nicht darum herumkommen, diesen Band zu konsultieren“, resümieren Michaela Huber und Helen Keller im Vorwort des von Jan Gysi und Peter Rüegger herausgegebenen Sammelbandes „Handbuch sexualisierte Gewalt“, der aktuell im Hogrefe Verlag erschienen ist.

Auf 722 Seiten werden verständlich und gut lesbar aus verschiedenen Perspektiven die unterschiedlichen Aspekte der Thematik beschrieben und analysiert: Von der Grundlagenforschung bis zur Beschreibung des typischen Tathergangs und der Täterstrategien, von den körperlichen und seelischen Folgen für die Opfer über deren Unterstützungsmöglichkeiten bis zur Anzeigeerhe bung, von der Tatermittlung über das Strafverfahren mit allen Facetten bis zu den Therapiemöglichkeiten wird das Thema sexualisierte Gewalt umfassend beleuchtet. Die einzelnen Beiträge aus unterschiedlichen Disziplinen stehen zwar nebeneinander, ergeben in der Summe aber ein ganzheitliches Bild. Das Buch muss wiederum nicht im Ganzen gelesen werden, sondern die angesprochene Leserschaft aus Wissenschaft sowie polizeilicher, justizieller oder beratender und therapeutischer Praxis kann sich die modular aufgebauten Kapitel auch einzeln vornehmen. Im deutschen Strafrecht wird sexuelle Gewalt gegen Erwachsene in § 177 Abs. 2–4 StGB (Vergewaltigung und sexuelle Nötigung) und § 178 StGB (Vergewaltigung und sexuelle Nötigung mit Todesfolge) normiert. Von sexualisierter Gewalt sind ganz überwiegend Frauen betroffen. Gemäß Polizeilicher Kriminalstatistik (PKS) ist für Deutschland das Ausmaß im Hellfeld zwischen 2010 und 2015 mit durchschnittlich rund 7500 Fällen relativ konstant geblieben. In Folge von Partnerschaftsgewalt gab es rund 2500 Opfer. Dunkelfeldstudien zufolge werden etwa 11 % bis 14 % der Taten von den betroffenen Frauen angezeigt, weshalb die Fall- und Opferzahlen der PKS entsprechend hochgerechnet werden müssen. Wie kaum ein anderes Thema ist sexualisierte Gewalt sowohl für die Therapie und Beratung wie auch für die Strafverfolgung und die Gerichte äußerst komplex. Die Autoren behandeln das schwierige Thema ganz unterschiedlich, manche wissenschaftlich nüchtern, andere aus einer eher erzählenden Perspektive. Wie umgehen mit einer (mutmaßlichen) Gewalterfahrung, bei der oft niemand anwesend war außer Täter und Opfer, die in intimsten Bereichen ihres Wesens Entäußerung bzw. Überwältigung erlebten? Wie den Machtverhältnissen und nicht selten den Verstrickungen zwischen Tätern und Opfern gerecht werden? Wie in allen angesprochenen Berufsbereichen helfen, dass die Betroffenen dieser Erfahrungen angemessen ihre Verantwortung wahrnehmen bzw. die Tat verarbeiten können? Die verschiedenen Beiträge heben die enorme Komplexität des Problems heraus. Gleichzeitig machen sie den Versuch, konkrete Handlungsanweisungen zu formulieren (siehe etwa Jan Gysis „Fünf Konzepte zur Veranschaulichung komplexer Dynamiken bei sexualisierter Gewalt“). Nahlah Saimeh bringt die große Herausforderung mit folgenden Worten auf den Punkt: „Die Begutachtung und Therapie von Sexualstraftätern gehört forensisch-psychiatrisch zu den anspruchsvollsten Aufgaben und erfordert von allen beteiligten Personen spezifische professionelle Kompetenzen, die nicht per se durch eine allgemeine therapeutische Ausbildung abgedeckt werden.“ Fast am Ende des Bandes geht es in Kapitel 10 um die Prävention sexueller Gewalt. Miriam K. Damrow erklärt die unterschiedlichen Dimensionen und Ansätze von Prävention. Die meisten Präventionsprogramme bzw. -projekte sind der primären Opferprävention zuzurechnen. Empirisch signifikant sind die von einer feministischen Grundhaltung ausgehenden Empowerment- Ansätze, zu denen auch Selbstverteidigungs- und Selbstbehauptungstrainings gehören. Dieser Ansatz wird im Für und Wider diskutiert und dann in einem gesonderten Beitrag von Martin Gerstner und Salome Stevens beschrieben. Das vorliegende Handbuch weist basierend auf dem neuesten Stand der psychologischen und psychiatrischen Forschung wie auch der Diskussion in Polizei und Justiz den Weg für ein optimales Vorgehen der verschiedenen Fachkräfte. Die Herausgeber haben damit für die Praxis ein Nachschlagewerk geschaffen zu Kernfragen in der Unterstützung, der Behandlung, des Umgangs und der Vertretung von Opfern sexualisierter Gewalt und kann dem deutschsprachigen Fachpublikum sehr empfohlen werden.

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